Anlagerenditen

Massiver Performance-Einbruch bei Pensionskassen

Nach einem fulminanten Anlagejahr 2021 bescherten Aktien und Obligationen den Pensionskassen im letzten Jahr deutliche Verluste. Nach einigen Jahren mit hohen Renditen können sie dies verkraften. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Pensionskassen enorm.

Vorsorgeeinrichtungen investieren langfristig
Ein Kapitaldeckungsverfahren, wie es die zweite Säule kennt, muss mit hohen Volatilitäten der Finanzmärkte umgehen können. Als langfristige Investoren nehmen Vorsorgeeinrichtungen nötigenfalls periodische Unterdeckungen in Kauf, was gesetzlich auch erlaubt ist. Das gute Börsenjahr 2021 ermöglichte es vielen Vorsorgeeinrichtungen, ihre Wertschwankungsreserven weiter aufzubauen. Damit waren sie in der Lage, die letztjährigen Anlageverluste ganz oder teilweise aufzufangen.

Versicherte mit einer Vollversicherungslösung in der zweiten Säule tragen keine Anlagerisiken. Denn hier muss der Versicherer die Altersguthaben zum gesetzlichen Mindestzinssatz verzinsen – unabhängig davon, ob er auf den investierten Altersguthaben eine entsprechende Rendite erzielt. Durch eine äusserst sicherheitsorientierte Kapitalanlagestrategie versuchen Vollversicherer deshalb, mit möglichst wenig Risikokapital auszukommen. Eine Unterdeckung ist nicht möglich, denn die Versicherer müssen die Vorsorgeleistung stets zu 100 Prozent garantieren.

Aktien und Obligationen verloren zweistellig
Nach dem Rekordjahr 2021 starteten viele Aktienmärkte auf historischen Höchstständen ins Jahr 2022. Lange konnte das Niveau aber nicht gehalten werden. Die hohe Inflation, steigende Zinsen, Rezessionsängste und der Krieg in der Ukraine lösten einen Ausverkauf quer durch alle Anlageklassen hindurch aus. Aktien und Obligationen verloren im zweistelligen Prozentbereich. Für Obligationen war es vielerorts das schlechteste Anlagejahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Nicht kotierte Immobilienanlagen und direkt gehaltene Immobilien sowie alternative Anlagen im Portfolio wirkten stabilisierend. Warum haben gemischte Portfolios aus Aktien und Obligationen im vergangenen Jahr so schlecht abgeschnitten? Der massive Zinsanstieg hat dazu geführt, dass die sonst negative Korrelation zwischen Aktien und Obligationen völlig zusammengebrochen ist. Die Korrelation war plötzlich positiv, und Obligationen verloren dadurch ihre Funktion als Stabilisator in gemischten Portfolios.

Grosse Streuung der Renditen
Im Ergebnis führte das im Berichtsjahr zu einer stark negativen durchschnittlichen Anlageperformance, welche sich bei den allermeisten Vorsorgeeinrichtungen in tieferen Deckungsgraden zeigt. Mit Blick auf die Verpflichtungsseite einer Vorsorgeeinrichtung hat der Zinsanstieg mittelfristig aber auch eine positive Seite: Aus einer Marktwertsicht haben die langfristigen Rentenverpflichtungen ebenfalls an Wert eingebüsst, das heisst, mit dem Zinsanstieg werden die Zinsversprechen (Umwandlungssätze) in Zukunft mit weniger Risiko finanzierbar sein.

Diesem Negativtrend konnten sich auch die 27 geprüften teilautonomen Kassen nicht entziehen. Sie erzielten im vergangenen Jahr eine Performance von durchschnittlich −9,5 Prozent, was deutlich über dem Pictet Index BVG-25plus (−14,1 Prozent) liegt. Klammert man die Performance-Ausreisser aus, erreichten gut drei Viertel der Kassen eine Anlageperformance zwischen –6 Prozent und −12 Prozent.

Der Vergleich ist allerdings nicht risikoadjustiert. Die Vorsorgeeinrichtungen bestimmen ihre Anlagestrategie in Abhängigkeit ihrer Risikofähigkeit, der Risikotoleranz von Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie ihrer Zukunftserwartungen. Der Risikogehalt eines Portfolios wird von mehreren Faktoren bestimmt, etwa von der Aktienquote, dem Immobilienanteil, der Gewichtung der Alternativanlagen, dem Umfang nicht gesicherter Fremdwährungsanlagen sowie der Duration des Obligationenbestands (durchschnittliche Restlaufzeit).

Kapitalgarantie kostet
Die unterschiedliche Ausrichtung der untersuchten Kassen hat im 2022 zu einer überdurchschnittlich grossen Streuung der Renditen geführt. Zuoberst auf dem Renditepodest steht Ascaro mit −2,9 Prozent Jahresrendite. Dahinter folgen Tellco pkPRO mit −5,8 Prozent und Previs mit −7,0 Prozent. Was war das Erfolgsgeheimnis von Ascaro? Dem Kurzbericht 2022 ist zu entnehmen, dass der hohe Liquiditätsbestand, die kurze Duration bei Obligationenanlagen, eine im Marktvergleich zurückhaltende Aktienquote und ein beachtlicher Anteil an Schweizer Immobilien die Verluste wirksam begrenzt haben. Am Ende der Rangliste landeten Revor (−15,3 Prozent), PKG (−13,4 Prozent) und Transparenta (−12,7 Prozent). Der letzte Platz von Revor überrascht, hat doch Revor in den vergangenen Jahren mit Top-Renditen brilliert.

Im Gegensatz zu den teilautonomen Pensionskassen bieten die volldeckenden Versicherungslösungen den bedingungslosen Kapitalschutz. Er verlangt von den Anbietern eine konservative, risikoarme Anlagepolitik. Sie verzichten fast gänzlich auf Aktienanlagen, was ihre generell niedrige Rendite in den letzten Jahren erklärt. 2022 hat aber der Bondcrash auch den Vollversicherern mit ihren grossen Obligationenbeständen grosse Verluste beschert. Bei den geprüften Vollversicherungen wird die Performance zu Marktwerten verglichen. Pax erzielte 2022 mit −8,4 Prozent in dieser Kategorie das beste Resultat. Die Vollversicherer weisen die Renditen auch zu Buchwerten aus, da ihnen der Gesetzgeber erlaubt, die Obligationen stets mit 100 Prozent zu bewerten, wenn sie diese bis zum Verfall in den Büchern halten. Diese Möglichkeit haben die teilautonomen Gemeinschafts- und Sammelstiftungen nicht. Sie müssen ihre Anlageportfolios immer zu Marktwerten bewerten und deshalb Wertschwankungsreserven aufbauen, um Anlagerisiken tragen zu können.

Im Langfristvergleich liegen die teilautonomen Kassen klar vor den Vollversicherungen. Spitzenreiter im Zehnjahresvergleich ist Profond mit 5,0 Prozent Rendite, gefolgt von Copré mit 4,3 Prozent und Spida mit 4,2 Prozent. Über den dreijährigen Zeitraum schwingt Abendrot mit durchschnittlich 2,6 Prozent obenaus, gefolgt von Asga mit 2,4 Prozent und Copré und Ascaro mit je 2,2% (gerundet).

Was die Zinswende für die Pensionskassen bedeutet
Nach Jahren rekordtiefer Zinsen sind diese im Jahr 2022 stark angestiegen. Aus ökonomischer Sicht ist dies sehr zu begrüssen, auch wenn die Deckungsgrade der Pensionskassen deswegen aktuell deutlich gesunken sind. Wendeten die meisten Pensionskassen vor 20 Jahren noch einen reglementarischen Umwandlungssatz in der Höhe des BVG-Mindestumwandlungssatzes an, lag der Median der Umwandlungssätze 2021 nur noch bei 5,4 Prozent, was einer Zinsgarantie von rund 2,6 Prozent entspricht. Für die Finanzierung von Leistungen in einem kapitalgedeckten Vorsorgesystem wie der beruflichen Vorsorge sind die Marktzinsen somit von grundlegender Bedeutung.

So schmerzhaft der unmittelbare Bewertungseffekt aus der Zinswende für die Pensionskassen und deren Deckungsgrad im Jahr 2022 war, so führte die Zinswende doch dazu, dass das Renditepotenzial auf dem Vorsorgevermögen deutlich angestiegen ist, vor allem weil festverzinsliche Wertpapiere wieder eine positive Rendite erbringen können. Entscheidend für die Beurteilung der laufenden Finanzierung einer Pensionskasse ist die Differenz zwischen der Sollrendite und dem Renditepotenzial auf dem Vorsorgevermögen. Mit Sollrendite wird die jährliche Anlagerendite bezeichnet, die nötig ist, damit eine Pensionskasse alle Verpflichtungen bezahlen und ihren Deckungsgrad konstant halten kann. Je höher die Zinsversprechen der Pensionskassen, umso höher ist diese Sollrendite.

Das langjährige Tiefzinsumfeld hat dazu geführt, dass die Pensionskassen in den vergangenen Jahren ihre Bewertungs- und Leistungsparameter reduzieren mussten, um auf eine Sollrendite zu kommen, welche in diesem Umfeld vernünftig finanzierbar war. Die Zinswende führte nun dazu, dass per Ende 2022 das Renditepotenzial der Vermögensanlage deutlich über der (reduzierten) Sollrendite lag. Dies bedeutet, dass die Pensionskassen aktuell zwar tiefe Deckungsgrade aufweisen, aber in der Erwartung eine ausreichende Anlagerendite erzielen sollten, um alle Leistungen zu erfüllen und den Deckungsgrad wieder aufbauen zu können – und das ist grundsätzlich als sehr positiv zu beurteilen. Die höhere Renditeerwartung bei gleichzeitig tiefer Sollrendite erhöht den Handlungsspielraum, den Pensionskassen haben, während sie im Tiefzinsumfeld oft mit dem Rücken zur Wand standen.