2025 | Kapitalanlagen

Das Jahr 2024 war für die Schweizer Pensionskassen eines der erfolgreichsten der letzten 25 Jahre. Gemäss dem Pictet-Pensionskassenindex lagen die Renditen je nach Aktienanteil zwischen 7,9% und 10.1%. Getrieben wurde dieses Ergebnis vor allem durch starke Entwicklungen bei globalen Aktien und Gold, gefolgt von Schweizer Immobilienfonds und CHF-Obligationen. Strategien mit hohen Aktienquoten lagen klar vorn, dennoch blieb die effektive Performance vieler Kassen deutlich unter dem theoretischen Potenzial.

Anlageerträge als entscheidender Hebel

Seit 2004 haben Pensionskassen über 500 Milliarden Franken Nettorenditen erwirtschaftet – mehr als sämtliche Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zusammen. Das entspricht durchschnittlich rund 100'000 Franken pro versicherte Person. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen konzentriert sich die öffentliche Diskussion meist auf Kosten und Umwandlungssätze. Doch angesichts der demografischen Entwicklung und nach der abgelehnten BVG-Reform wird klar: Ohne substanzielle Anlageerträge ist eine nachhaltige Finanzierung der 2. Säule nicht möglich.

2024: Ein Ausnahmejahr mit Licht und Schatten

Die Märkte entwckelten sich 2024 bereits im zweiten Jahr in Folge erfreulich. Besonders US-Technologiewerte – angetrieben vom KI-Trend – sorgten für zweistellige Renditen. Auch die US-Wahlen trugen zur positiven Marktstimmung bei. Gold und Private Equity zählten ebenfalls zu den Gewinnern, während Schweizer Aktien – allen voran Indexschwergewichte wie Nestlé – zurückblieben. Sinkende Inflationsraten erlaubten es vielen Notenbanken, ihren Zinserhöhungszyklus zu beenden, was CHF-Obligationen und kotierten Immobilienanlagen Auftrieb verlieh. Alternative Anlagen entwickelten sich uneinheitlich. Innerhalb der Immobilienanlagen schnitten börsennotierte Schweizer Immobilienfonds besser ab als nicht kotierte.

Durchschnittlich 7.7% Rendite

Die 29 untersuchten teilautonomen Pensionskassen erzielten im Durchschnitt eine Rendite von 7.7%, was dem Pictet BVG-25plus-Index (7.9%) nahekommt. Die meisten Kassen bewegten sich, abgesehen von Ausreissern, im Bereich zwischen 6.5% und 8.5%. Trotz des starken Börsenjahres schnitten etwa zwei Drittel der Kassen schlechter ab als der BVG-25plus-Vergleichsindex; nur zwei Kassen übertrafen den BVG-40plus. Dies überrascht, da der durchschnittliche Aktienanteil mit 34% klar über demjenigen der Pictet-Indizes lag. Der direkte Vergleich mit diesen Benchmarks ist jedoch nicht risikoadjustiert. Die Strategien der Pensionskassen orientieren sich an ihrer Risikofähigkeit, an der Risikotoleranz der Destinatäre und an den Erwartungen über die künftige Entwicklung. Zahlreiche Faktoren beeinflussen das Risikoprofil, darunter die Zusammensetzung des Portfolios, die Fremdwährungsquote sowie die Duration der Obligationen. Daraus ergibt sich: Ein reiner Renditevergleich greift zu kurz. Entscheidend ist ein strukturierter Strategieprozess, der Risiko, Liquidität und weitere Rahmenbedingungen umfassend berücksichtigt.

Tops und Flops 2024

Trotz teils unterschiedlicher Strategien lagen die Renditen der Pensionskassen im Jahr 2024 in einer relativ engen Bandbreite. CHF-Obligationen erzielten ähnlich hohe Renditen wie Schweizer Aktien. Kotierte Immobilienanlagen übertrafen beide Anlagekategorien. Der Performancebeitrag der Aktien war stark vom Home Bias sowie vom Ausmass des Technologie- oder USA-Exposures abhängig. Aus der absoluten Höhe der Aktienquote liess sich daher im vergangenen Jahr nicht automatisch auf eine hohe Performance schliessen.

Transparenta führte mit 10.14% die Rangliste 2024 an, gefolgt von Revor mit 10.09% und NoventusCollect K mit 9.9%. Ebenfalls nahe an der Spitze lagen Allianz Suisse Pension Invest und Profond. Am unteren Ende der Skala befanden sich Tellco pkPRO mit 4.7%, Abendrot mit 5.0% und Ascaro mit 5.3%. Die unterdurchschnittlichen Ergebnisse von Tellco und Ascaro lassen sich grösstenteils durch ihre deutlich tiefere Aktienquote erklären, die rund ein Drittel unter dem Durchschnitt lag. Ascaro wies zudem mit 39.4% die höchste Immobilienquote aller untersuchten Kassen auf. Mit einem Anteil von über 70% direkt gehaltener Immobilien partizipierte die Kasse nur begrenzt an der hohen Performance kotierter Immobilienfonds. Bei Abendrot lag das vergleichsweise schwache Abschneiden nicht an der Aktienquote von 31.9%, sondern am hohen Anteil an Schweizer Aktien. Zudem dürfte die mit 9.4% tiefste Obligationenquote aller Kassen das Ergebnis zusätzlich belastet haben.

Kapitalgarantie hat ihren Preis

Vollversicherungen bieten im Gegensatz zu teilautonomen Lösungen eine Kapitalgarantie. Die Versicherten tragen kein Anlagerisiko, da die Versicherer jederzeit eine vollständige Deckung der Altersguthaben mit der gesetzlichen Mindestverzinsung garantieren, unabhängig von der Marktentwicklung. Um dieses Sicherheitsversprechen einlösen zu können, setzen die Vollversicherer auf sehr konservative Anlagestrategien. Dies führt regelmässig zu tieferen Renditen. Die Performance wird zu Marktwerten ausgewiesen. Pax erzielte 2024 mit 5.3% in dieser Kategorie das beste Resultat. Zudem weisen Versicherer auch Buchwert-Renditen aus, da sie Obligationen bis zur Endfälligkeit mit 100% bewerten dürfen – ein Privileg, das teilautonomen Kassen nicht zusteht. Diese müssen ihre Anlageportfolios stets zu Marktwerten bewerten und deshalb Wertschwankungsreserven aufbauen, um Anlagerisiken abfedern zu können.

anlagerendite

Langfristvergleich: Teilautonome Kassen vorn

Im langfristigen Vergleich zeigen sich die Stärken der teilautonomen Kassen besonders deutlich. Spitzenreiter im Zehnjahreszeitraum war Avanea Pool 30 mit durchschnittlich 5.0%, gefolgt von Profond mit 4.6% und Ascaro mit 4.0%. Die schlechteste Kasse mit 2.3% über zehn Jahre war Ambassador. Aus Fünfjahressicht lag Profond mit 4.0% vorne, gefolgt von Asga und Ascaro mit je 3.8%, während Baloise Perspectiva mit 1.4% das Schlusslicht bildete. Über die letzten 20 Jahre war Copré mit 4.6% der erfolgreichste Anbieter, Tellco pkPRO bildete mit 2.8% das Ende des Rankings. Diese Differenzen unterstreichen die Rolle des sogenannten dritten Beitragszahlers, also des Kapitalertrags, in der beruflichen Vorsorge.

Verzinsung: Wer profitiert wie?

Der Unterschied zwischen den Kassen war nicht nur bei den Anlagerenditen, sondern auch bei der effektiven Verzinsung der Altersguthaben gross. Die durchschnittliche Verzinsung lag 2024 bei 3.5%, fast doppelt so hoch wie im 20-Jahres-Durchschnitt. Die Spannweite reichte von 8% (Profond) bis 1.25% (Spida und Pax). Über fünf Jahre betrug die Verzinsungsdifferenz zwischen der besten und der schlechtesten Kasse 3.2 Prozentpunkte, über zehn Jahre 2.4 Punkte. In den letzten 20 Jahren verzinste Profond die Altersguthaben mit durchschnittlich 3.5%, während die Versicherten bei Tellco pkPRO mit 1.7% vorliebnehmen mussten. Diese Differenzen wirken sich aufgrund des Zinseszinseffekts massiv auf das Endkapital aus. Bei monatlichen Beiträgen von 300 Franken summieren sich 1.7% über 20 Jahre auf 86'758 Franken, bei 3.5% resultieren hingegen 104'372 Franken – also ein Plus von rund 20%.

Struktur bestimmt Strategie

Die Anlagestrategie und die Zusammensetzung der Versicherten sind zentrale Einflussgrössen. Kassen mit einer jüngeren Versichertenstruktur können in der Regel höhere Risiken eingehen und dadurch bessere Ergebnisse erzielen. Kassen mit älterer Versichertenstruktur sind hingegen oft gezwungen, konservativer zu investieren. Die Anlageerträge hängen im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: dem eingegangenen Gesamtrisiko und der Asset Allocation. Diese beiden Aspekte sind eng miteinander verknüpft und richten sich nach der individuellen Risikofähigkeit der Kasse. Letztere ist jedoch schwer zu bestimmen und nicht standardisiert messbar. Unabhängige Analysen Schweizer Pensionskassen zeigen, dass die meisten Kassen ihr Risikomanagement gut im Griff haben. Dennoch bestehen bei der praktischen Umsetzung der Asset Allocation teilweise systematische Ineffizienzen: Selbst bei angemessenem Risiko wäre mit einem effizienteren Portfolio oft eine höhere Rendite erreichbar – bei vollständiger Ausschöpfung der Risikofähigkeit sogar noch mehr.

Haftung und Verantwortung

Für Verunsicherung sorgten zuletzt Bundesgerichtsentscheide zur Haftung von Stiftungsräten bei Anlageverlusten. Diese tragen eine grosse Verantwortung, obwohl sie häufig aus Laien bestehen. Die Angst vor persönlicher Haftung kann dabei die Bereitschaft hemmen, angemessene Anlagerisiken einzugehen. Allerdings können auch Haftungsrisiken entstehen, wenn eine übermässig konservative Anlagestrategie dazu führt, dass der gesetzliche Auftrag – insbesondere die Sicherstellung einer ausreichenden Altersvorsorge – nicht erfüllt wird.

Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen

Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen weisen in der Regel eine bessere Sanierungsfähigkeit und eine ausgewogenere Struktur auf. Aufgrund ihres Versichertenmixes mit geringerem Rentneranteil und ihres Wettbewerbsumfelds neigen sie zu moderateren Zielreserven und etwas höheren Umwandlungssätzen, was sich in leicht tieferen Deckungsgraden niederschlägt, dafür aber in höheren Renditeerwartungen. Aufgrund des hohen Anteils an Altersguthaben im Vergleich zu den Vorsorgekapitalien der Rentner lassen sich die meisten Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen relativ einfach über die Verzinsung steuern, was auch das Management von Unterdeckungen erleichtert.

Ein System im Gleichgewicht

Das BVG-System ist darauf ausgelegt, durch die Glättung zentraler Vorsorgeparameter Stabilität zu gewährleisten. Technische Zinssätze, Umwandlungssätze, Zinsgutschriften und Risikobeiträge werden langfristig festgelegt, um kurzfristige Marktschwankungen nicht direkt auf die Leistungen zu übertragen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten gerieten viele Pensionskassen unter Druck, weil die Kapitalmarktzinsen stark sanken, während die technischen Zinssätze nur verzögert angepasst wurden. Erst in den letzten fünf bis zehn Jahren passten zahlreiche Kassen ihre technischen Zinssätze – meist auf Werte zwischen 1 und 2% – an die dauerhaft tiefen Zinsniveaus an.

Mit dem Zinsanstieg ab 2021, bei dem sich die Renditen zehnjähriger Schweizer Staatsanleihen von minus 0.5% auf Werte zwischen 0.5% und 1.5% bewegten, blieb der Anpassungsdruck aus. Die Stabilität der technischen Parameter zahlte sich aus und förderte planbare Leistungen. Heute erscheinen technische Zinssätze von 1.5% bis 2% als marktgerecht. Die Kassen haben sich von der jahrelangen Unsicherheit lösen können und befinden sich im Einklang mit der neuen Realität am Kapitalmarkt.

Dank der starken Ertragslage der vergangenen Jahre ist die finanzielle Ausgangslage robust. Ob diese Stärke auch plötzlichen Schocks standhält, bleibt offen. Doch eines ist sicher: Die Kassen sind heute widerstandsfähiger als zu jedem anderen Zeitpunkt in den letzten 20 Jahren.