Pensionskassen-Wechsel: Der Weg zur massgeschneiderten Pensionskasse

Ein Pensionskassenwechsel ist für Unternehmen weit mehr als ein administrativer Schritt. Die Wahl der passenden Pensionskasse beeinflusst die berufliche Vorsorge der Mitarbeitenden, die Attraktivität als Arbeitgeberin und die langfristige Personalbindung.

Arbeitgeber suchen bei Rekrutierung und Personalbindung neben dem Gehalt oft nach weiteren Zusatzleistungen, um sich gegenüber Mitbewerbern abzuheben. Dabei wird die Bedeutung einer attraktiven Pensionskassenlösung häufig unterschätzt. Wer mit der beruflichen Vorsorge bei bestehenden und zukünftigen Mitarbeitenden punkten möchte, sollte die eigene BVG-Lösung regelmässig überprüfen und bei Bedarf einen Pensionskassenwechsel sorgfältig vorbereiten.

Warum ein Pensionskassenwechsel für Unternehmen relevant ist

Eine gut abgestimmte Pensionskassenlösung kann ein wichtiger Bestandteil einer modernen Personalpolitik sein. Sie zeigt, dass ein Unternehmen nicht nur kurzfristige Lohnbestandteile berücksichtigt, sondern auch die langfristige finanzielle Absicherung seiner Mitarbeitenden ernst nimmt.

Bevor ein Unternehmen die Pensionskasse wechseln kann, sollte jedoch klar sein, welche Ziele mit dem Wechsel verbunden sind. Geht es um bessere Leistungen, tiefere Kosten, höhere Sparbeiträge, eine stabilere Vorsorgeeinrichtung oder eine Lösung, die besser zur Struktur der Belegschaft passt? Erst wenn diese Fragen geklärt sind, lässt sich beurteilen, welche Pensionskasse wirklich geeignet ist.

Mitarbeitende beim Pensionskassenwechsel einbeziehen

Auf dem Weg zur optimalen Pensionskasse sind die Mitarbeitenden aktiv einzubeziehen. Gleichzeitig müssen die Mitbestimmungsrechte gewahrt werden. Ein Pensionskassenwechsel betrifft die gesamte Belegschaft und sollte deshalb transparent kommuniziert und nachvollziehbar vorbereitet werden.

Gerade weil die berufliche Vorsorge für viele Mitarbeitende komplex ist, lohnt es sich, die wichtigsten Unterschiede zwischen der bestehenden und einer möglichen neuen Pensionskassenlösung verständlich aufzuzeigen.

Bestehenden Anschlussvertrag prüfen

Grundsätzlich beginnt der Weg zur neuen Pensionskasse mit der Überprüfung des bestehenden Anschlussvertrags. Dabei sind insbesondere Vertragslaufzeit, Kündigungsfristen und automatische Verlängerungen zu beachten.

Die Vertragslaufzeit ist meistens für drei oder fünf Jahre vereinbart. Nach Ablauf verlängert sich der Anschlussvertrag im Normalfall stillschweigend um ein weiteres Jahr. Wer einen Pensionskassenwechsel plant, sollte deshalb frühzeitig prüfen, bis wann eine Kündigung möglich ist.

Ebenfalls im Anschlussvertrag geregelt ist das sogenannte Rentnerschicksal. Dabei stellt sich die Frage, ob Rentnerinnen und Rentner bei der bisherigen Pensionskasse bleiben oder ob eine Übernahme durch die neue Pensionskasse vorgesehen ist.

Leistungskatalog der Pensionskasse überprüfen

Ein zentraler Schritt vor einem Pensionskassenwechsel ist die Prüfung des bestehenden Leistungskatalogs. Dieser sollte Schritt für Schritt analysiert und mit den Bedürfnissen der Mitarbeitenden abgeglichen werden.

Dem Alter sowie der aktuellen Lebenssituation der Mitarbeitenden ist dabei besondere Beachtung zu schenken. Entscheidende Fragen sind unter anderem:

  • Sind die Versicherten und ihre Hinterlassenen bei einem Leistungsfall genügend finanziell abgesichert?

  • Reichen die gewählten Sparbeiträge für den Aufbau der Altersvorsorge?

  • Entsprechen die Leistungen der Pensionskasse den Bedürfnissen der Belegschaft?

  • Passt die aktuelle BVG-Lösung noch zur Personalstruktur des Unternehmens?

Ein Pensionskassenwechsel ist nur dann sinnvoll, wenn die neue Lösung nicht nur günstiger erscheint, sondern auch inhaltlich zur Vorsorgestrategie des Unternehmens passt.

Arbeitgeberbeiträge und Fringe Benefits beurteilen

Weiter ist zu prüfen, in welcher Höhe sich der Arbeitgeber an den Prämien beteiligt. Leistet das Unternehmen lediglich den gesetzlichen Mindestanteil von 50 Prozent oder beteiligt es sich im Sinne zusätzlicher Fringe Benefits stärker an der beruflichen Vorsorge?

Höhere Arbeitgeberbeiträge können die Attraktivität der Pensionskassenlösung erhöhen und einen Beitrag zur Personalbindung leisten. Gleichzeitig müssen sie zur finanziellen Situation und zur Personalstrategie des Unternehmens passen.

Das passende Vorsorgemodell wählen

Ist der Leistungskatalog definiert, gilt es abzuwägen, welches Vorsorgemodell bevorzugt wird. Unternehmen sollten vor einem Pensionskassenwechsel prüfen, ob eher eine sicherheitsorientierte oder eine renditeorientiertere Lösung in Frage kommt.

Eine Pensionskasse mit Vollversicherungsgarantie bietet eine hohe Sicherheit, ist in der Regel aber mit höheren Kosten verbunden. Teilautonome Sammelstiftungen können je nach Risikobereitschaft eine Alternative sein, da sie tendenziell höhere Anlageerträge ermöglichen können. Gleichzeitig sind sie stärker von der Entwicklung der Kapitalmärkte abhängig.

Welche Lösung geeignet ist, hängt von den Zielen des Unternehmens, der Risikofähigkeit und den Bedürfnissen der Mitarbeitenden ab.

Offerten für den Pensionskassenwechsel einholen

Für eine Offertabgabe werden den ausgewählten Pensionskassen der definierte Leistungskatalog und die erforderlichen Mitarbeiterdaten zugestellt. Wichtig ist, dass alle Anbieter mit denselben Grundlagen arbeiten. Nur so lassen sich die Offerten später sinnvoll vergleichen.

Ein strukturierter Offertprozess ist entscheidend, damit der Pensionskassenwechsel nicht auf Basis einzelner Prämien, sondern aufgrund einer umfassenden Beurteilung vorbereitet wird.

Angebote der Pensionskassen sorgfältig prüfen

Sobald die Angebote der Pensionskassen eintreffen, sind sie auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Stimmen die gemeldeten Personendaten? Wurden die definierten Leistungen gemäss Vorgabe offeriert? Sind alle relevanten Bestandteile der beruflichen Vorsorge korrekt berücksichtigt?

Erst wenn diese Punkte geklärt sind, kann ein aussagekräftiger Vergleich der Pensionskassen erfolgen.

Pensionskassenvergleich als Entscheidungsgrundlage

Vor einem Pensionskassenwechsel empfiehlt sich ein detaillierter Vergleich der Angebote. Dabei sollten insbesondere folgende Bereiche analysiert werden:

Kostenvergleich

Zu vergleichen sind insbesondere die Risiko- und Verwaltungskosten. Dabei geht es nicht nur um die Höhe der Kosten, sondern auch darum, welche Leistungen und Services damit verbunden sind.

Finanzielle Stabilität

Wichtige Kennzahlen sind Deckungsgrad, Rentnerverhältnis und technischer Zins. Sie geben Hinweise darauf, wie stabil eine Pensionskasse finanziell aufgestellt ist.

Altersleistungen

Bei den Altersleistungen sind der aktuelle Umwandlungssatz sowie dessen Entwicklung in den nächsten Jahren zu prüfen. Auch die Verzinsung der Altersguthaben ist für die Beurteilung der Vorsorgequalität relevant.

Nach dieser Analyse kann eine erste Vorselektion durchgeführt werden. Es ist zu empfehlen, neben der aktuellen Pensionskasse drei bis vier weitere Kassen vertieft zu prüfen.

Reglemente, Servicequalität und Organisation prüfen

Bei den ausgewählten Pensionskassen sind weitere entscheidende Kriterien zu beurteilen. Dazu gehören das Kleingedruckte in den Reglementen, die Servicequalität und die Organisation der Vorsorgeeinrichtung.

Diese qualitativen Aspekte sind für einen erfolgreichen Pensionskassenwechsel besonders wichtig. Denn im Alltag zählen nicht nur Kosten und Kennzahlen, sondern auch verständliche Kommunikation, zuverlässige Prozesse und kompetente Ansprechpersonen.

Entscheid zur Wahl der neuen Pensionskasse treffen

Der Entscheid zur Wahl der Pensionskasse ist facettenreich. Eine Gegenüberstellung der wesentlichen Punkte unterstützt Unternehmen dabei, die Angebote transparent zu beurteilen.

Neben Kosten, Leistungen und finanzieller Stabilität sollten auch Servicequalität, Vorsorgemodell, Reglemente und die langfristige Passung zur Belegschaft berücksichtigt werden. Ein persönliches Beratungsgespräch mit den favorisierten Pensionskassen kann helfen, Informationslücken zu schliessen und Unklarheiten zu beseitigen.

Zustimmung der Mitarbeitenden zum Pensionskassenwechsel

In den Entscheidungsprozess ist zwingend auch das Personal einzubeziehen. Ein Anschlussvertrag kann erst dann gekündigt werden, wenn das Personal oder eine dem Mitwirkungsgesetz entsprechende Arbeitnehmervertretung dem Pensionskassenwechsel zugestimmt hat.

Deshalb sollten Unternehmen den Wechselprozess frühzeitig planen, die Mitarbeitenden verständlich informieren und die Entscheidungsgrundlagen transparent aufbereiten.

Ein Pensionskassenwechsel braucht eine klare Entscheidungsgrundlage

Von einer massgeschneiderten Pensionskassenlösung kann erst dann gesprochen werden, wenn für die Versicherten eine bedarfsgerechte Vorsorgelösung vorliegt. Ein Pensionskassenwechsel sollte deshalb nicht nur aufgrund einzelner Kostenunterschiede erfolgen, sondern auf Basis einer umfassenden Prüfung von Leistungen, Stabilität, Vorsorgemodell, Reglementen und Servicequalität.

Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden ist das Ziel jeder zukunftsgerichteten Personalpolitik und zeichnet ein erfolgreiches Unternehmen aus. Eine passende Pensionskasse kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Eine Pensionskassenüberprüfung bzw. ein Pensionskassenwechsel gehört für ein KMU nicht zum Tagesgeschäft. Deshalb zahlt es sich aus, für dieses Projekt einen Spezialisten beizuziehen. Meist sind die Grundlagen vergleichsweise einfach zu verstehen. Sobald es dann um die Details geht, stossen auch Personen mit tiefem Finanz- und Vorsorgewissen an ihre Grenzen.

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Martin Oehen
Senior Mandatsleiter, Partner

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