Der Deckungsgrad bleibt ein zentraler Massstab
Wie gesund ist meine Pensionskasse? Eine Frage die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmende hin und wieder stellen. Es gibt einige Kennzahlen zur Einschätzung der finanziellen Lage einer Pensionskasse, ein weit verbreiteter Indikator ist der Deckungsgrad. Er zeigt, in welchem Verhältnis die Verpflichtungen einer Stiftung durch das vorhandene Vermögen gedeckt sind. Zu diesen Verpflichtungen gehören die Altersguthaben der aktiv Versicherten ebenso wie die Kapitalien für laufende Renten. Auf der Vermögensseite stehen Aktien, Obligationen, Immobilien und weitere Kapitalanlagen und damit Werte, die sich mit den Finanzmärkten laufend verändern.
Die Tabelle zeigt ein insgesamt robustes Bild: Sämtliche aufgeführten Gemeinschafts- und Sammelstiftungen weisen eine Überdeckung aus. Besonders hohe Deckungsgrade verzeichnen Asga mit 118.5 Prozent, PKG mit 117.5 Prozent sowie ÖKK mit 116.4 Prozent. Am unteren Ende der Tabelle liegen Allianz Pension Invest mit 103.7 Prozent und Tellco pkPRO mit 104.7 Prozent. Auch diese Stiftungen sind per Ende 2025 zwar überdeckt, verfügen aber über deutlich geringere Reserven um künftige Marktschwankungen abzufedern. Solche Polster schaffen Sicherheit, sie sind aber kein Selbstzweck. Denn hohe Reserven werfen stets auch die Frage auf, ob ein Teil davon nicht in Form einer besseren Verzinsung den aktiv Versicherten zugutekommen könnte.
So wichtig der Deckungsgrad ist, ganz ohne Kontext lässt er sich nicht interpretieren. Denn bei der Bewertung der Verpflichtungen bestehen Spielräume. Bei den Aktivversicherten entsprechen die Verpflichtungen den Freizügigkeitsleistungen und sind folglich auch von allen Pensionskassen identisch bilanziert. Augenmerk gilt den technischen Grundlagen für die Berechnung der Rentnerverpflichtungen. Die Pensionskassen dürfen zukünftige Renditeannahmen in die Reservenbildung einfliessen lassen. Dies zeigt sich bei den Unterschieden der technischen Zinssätze. Je tiefer diese festgelegt sind, umso vorsichtiger kalkuliert eine Kasse und muss folglich zum Bilanzstichtag ein höheres Deckungskapital ausweisen. Nach einer gängigen Faustregel sinkt der Deckungsgrad um bis zu 5 Prozentpunkte, wenn der technische Zinssatz um 0,5 Prozentpunkte reduziert wird.
Die Tabelle zeigt, wie unterschiedlich die Annahmen ausfallen: Ascaro arbeitet mit einem technischen Zinssatz von nur 1,0 Prozent und rechnet damit besonders vorsichtig. Viele grosse Stiftungen bewegen sich bei 1,75 oder 2,0 Prozent, während ÖKK und Copré 2,25 Prozent verwenden. Auch bei den versicherungstechnischen Grundlagen gibt es Unterschiede: Einige Kassen arbeiten mit Generationentafeln, andere mit Periodentafeln. Das ist relevant, weil Generationentafeln die steigende Lebenserwartung stärker berücksichtigen. Kassen die Periodentafeln anwenden sind angehalten, jährlich Rückstellungen zu bilden damit diese den steigenden Lebenserwartungen entsprechen. Ein Deckungsgrad von 110 Prozent ist deshalb nicht bei jeder Stiftung gleich viel wert.
Die Pensionskassen definieren auf der Basis ihrer Anlagestrategie einen Zielwert der Wertschwankungsreserven. Sind die Ziel-Wertschwankungsreserven erreicht, können sämtliche Anlageerträge direkt an die Versicherten ausgeschüttet werden. Sind die Wertschwankungsreserven nicht vollständig gebildet, besteht ein Reservedefizit.
Die Tabelle zeigt auch die risikotragenden Deckungsgrade nach dem Modell der PPCmetrics AG. Diese Kennzahl schafft zusätzliche Transparenz. Sie zeigt nicht einfach, ob eine Stiftung insgesamt genügend Vermögen hat, sondern wie gut jene Ansprüche gedeckt sind, für welche die aktiven Versicherten und die Arbeitgeber letztlich das Risiko tragen. Dazu werden die laufenden Renten stärker wirtschaftlich bewertet, erst was danach an Vermögen verbleibt, wird den Freizügigkeitsleistungen der Aktiven gegenübergestellt.
Gerade bei Stiftungen mit hohem Rentneranteil oder mit vergleichsweise optimistischen technischen Annahmen kann der risikotragende Deckungsgrad deshalb deutlich tiefer liegen als der ausgewiesene Deckungsgrad. Das macht sichtbar, wo die Belastung der Risikoträger tatsächlich liegt. Umgekehrt profitieren Stiftungen mit tiefem Rentneranteil von besseren Werten. Der risikotragende Deckungsgrad ersetzt den klassischen Deckungsgrad nicht, ergänzt ihn aber sinnvoll. Für Unternehmen und Versicherte ist das ein Gewinn: Die finanzielle Lage einer Pensionskasse lässt sich damit differenzierter und fairer vergleichen als mit einer einzigen Kennzahl allein.
Die Tabelle zeigt per Ende 2025 ein insgesamt solides Bild. Doch Stabilität in der beruflichen Vorsorge ist mehr als eine Momentaufnahme. Wer eine Pensionskasse beurteilen will, sollte deshalb genauer hinschauen. Denn die sicherste Pensionskasse ist nicht zwingend jene mit dem höchsten Deckungsgrad, sondern jene, deren Struktur auch in schwierigeren Jahren tragfähig bleibt.