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2026 | Kapitalanlagen

Geschrieben von Adrian Bienz | Jun 12, 2026 3:20:52 PM

Moderne BVG-Portfolios zahlten sich 2025 aus

Die teilautonomen Gemeinschafts- und Sammelstiftungen blicken wie bereits im Vorjahr auf ein sehr erfolgreiches Anlagejahr 2025 zurück. Trotz erheblicher geopolitischer Spannungen, Unsicherheiten in der US-Handelspolitik sowie erhöhter Währungsschwankungen erzielten die teilautonomen Modelle dank ihrer freieren Anlagestruktur erneut erfreuliche Resultate. 

Massgeblich dazu beigetragen hat der Investitionsboom rund um das Thema Künstliche Intelligenz, welcher die Schwäche anderer Wirtschaftssektoren kompensierte und insbesondere in den USA wesentlich zum Wirtschaftswachstum beitrug. Gleichzeitig konnten die schwerwiegendsten Folgen der amerikanischen Zollpolitik durch Verhandlungen weitgehend entschärft werden. 

Die positiven Anlageergebnisse stärkten auch die finanzielle Substanz der Vorsorgeeinrichtungen: Der durchschnittliche Deckungsgrad nahm innert Jahresfrist weiter zu und erreichte ein Rekordniveau. 

Davon profitierten auch die Versicherten. Schweizer Pensionskassen verzinsten das Vorsorgekapital im Jahr 2025 durchschnittlich mit 4,3%, dem zweithöchsten Wert der letzten 25 Jahre. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Verzinsung der vergangenen zwei Jahrzehnte lag bei 2,4 % pro Jahr.

Positives Anlagejahr trotz geopolitischer Spannungen

Die teilautonomen Gemeinschafts- und Sammelstiftungen erzielten im Jahr 2025 eine durchschnittliche Rendite von 6,2 %. Damit lag das Ergebnis deutlich über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre von 3,9 % pro Jahr. Angesichts geopolitischer Spannungen, einschneidender US-Zölle, einer markanten Abwertung des US-Dollars sowie anhaltender Inflations- und Verschuldungssorgen ist dieses Resultat bemerkenswert. 

Getrieben wurde das Anlagejahr insbesondere durch freundliche Aktienmärkte, den KI-Investitionsboom sowie die Entwicklung von Gold und anderen Sachwerten. Positiv entwickelten sich auch Rohstoffe und kotierte Immobilienfonds. Demgegenüber belasteten Schweizer-Franken-Obligationen sowie nicht währungsgesicherte Fremdwährungsobligationen die Portfolios. Strategien mit höheren Aktienquoten lagen insgesamt im Vorteil, wobei die regionale Ausrichtung entscheidend blieb. 

Erstmals seit vielen Jahren schnitten zahlreiche Aktienmärkte ausserhalb der USA besser ab als der US-Aktienmarkt. Insbesondere Europa, Asien und Teile Lateinamerikas profitierten trotz der Dominanz amerikanischer Technologieunternehmen vom globalen Investitionszyklus rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Aufgrund der markanten Dollarabwertung erwiesen sich ein Home Bias sowie ausseramerikanische Aktienanlagen im Jahr 2025 als Vorteil. 

Bei Fremdwährungsanlagen verfolgen die untersuchten Kassen unterschiedliche Ansätze. Während Fremdwährungsobligationen häufig abgesichert werden, bleiben Aktienanlagen meist ungesichert. Das verbleibende Fremdwährungsrisiko bewegt sich zwischen 6 % und 29 %. Im Jahr 2025 wirkte sich eine Absicherung in Schweizer Franken sowohl bei globalen Aktien als auch bei Obligationen positiv auf die Rendite aus. 

Edelmetalle entwickelten sich besonders stark. Davon profitierten allerdings nur wenige Pensionskassen, da Gold aufgrund fehlender laufender Erträge und seiner speziellen Rolle im institutionellen Portfolio traditionell nur begrenzt eingesetzt wird. 

Alternative Anlagen entwickelten sich uneinheitlich. Während Insurance Linked Securities (ILS) und kotierte Infrastrukturanlagen zulegten, blieben Hedge Funds, kotierte Private Equity Anlagen und kotierte ausländische Immobilien hinter den globalen Aktienmärkten zurück. 

Wie bereits in den Vorjahren beeinflusste auch 2025 die zeitlich verzögerte Bewertung illiquider Anlagen die ausgewiesenen Resultate. Besonders bei Schweizer Immobilienanlagen zeigte sich ein grosser Unterschied zwischen börsenkotierten und nicht kotierten Gefässen. Während kotierte Immobilienfonds und -aktien rasch auf die veränderten Marktbedingungen reagierten, erfolgte die Bewertung bei nicht kotierten Anlagen zeitlich verzögert. 

Die positiven Resultate spiegelten sich auch im Vergleich mit traditionellen BVG-Benchmark-Indizes wider.

Durchschnittlich 6,2 % Rendite – klar über den Pictet-BVG-Indizes

Die 29 untersuchten teilautonomen Pensionskassen erzielten im Jahr 2025 durchschnittlich eine Rendite von 6,2 %. Die meisten Kassen bewegten sich abgesehen von wenigen Ausreissern in einer Bandbreite zwischen 5 % und 7 %. 

Nachdem die Kassen im Vorjahr mehrheitlich hinter den Pictet-BVG-Indizes zurücklagen, übertrafen sie diese 2025 deutlich. Dies ist jedoch weniger Ausdruck kurzfristig besserer Managerleistungen als vielmehr Folge struktureller Unterschiede in den Anlagestrategien. 

Die Pictet-BVG-Indizes bilden viele heutige Sammelstiftungen nur noch eingeschränkt ab. Im Vergleich zu den effektiven Portfolios weisen sie typischerweise höhere Obligationengewichtungen sowie tiefere Aktien- und Immobilienquoten auf. Zudem berücksichtigen sie alternative und teilweise illiquide Anlagen wie Infrastruktur, Private Debt oder direkte Hypotheken nur begrenzt. Gerade Hypotheken werden von vielen Pensionskassen funktional als Ergänzung beziehungsweise Alternative zu klassischen Obligationenanlagen eingesetzt.  

Hinzu kommt, dass die Pictet-BVG-Indizes mit ihrer Konzeption «2005» noch stark die damalige BVG-Welt widerspiegeln – geprägt von hohen CHF-Obligationenquoten und klassischeren Portfoliostrukturen. Die effektiven BVG-Portfolios haben sich seither spürbar weiterentwickelt: höhere Diversifikation, mehr Immobilien und alternative Anlagen sowie professionelleres Asset-Liability-Management prägen heute viele grössere Sammelstiftungen. 

Die markante Renditedifferenz im Jahr 2025 erklärt sich deshalb primär durch unterschiedliche strategische Portfolio-Strukturen und weniger durch Unterschiede im kurzfristigen Portfoliomanagement.

Struktur bestimmt Strategie

Der Vergleich der Renditen ist nur eingeschränkt risikoadjustiert. Die einzelnen Pensionskassen verfolgen unterschiedliche Anlagestrategien, welche sich an ihrer Risikofähigkeit, der Versichertenstruktur sowie den Erwartungen hinsichtlich der künftigen Marktentwicklung orientieren. Entsprechend sind die ausgewiesenen Renditen stets im Kontext der eingegangenen Risiken zu beurteilen. 

Die Anlagestrategie und die Zusammensetzung der Versicherten zählen zu den wichtigsten Einflussfaktoren für den langfristigen Anlageerfolg einer Pensionskasse. Kassen mit einer jüngeren Versichertenstruktur verfügen in der Regel über eine höhere Risikofähigkeit und können entsprechend wachstumsorientierter investieren. Kassen mit älterer Versichertenstruktur verfolgen dagegen häufig konservativere Strategien. 

Das jeweilige Risikoprofil wird unter anderem von der Asset Allocation, der Fremdwährungsquote, der Duration der Obligationen oder dem Einsatz alternativer Anlagen beeinflusst. Die Anlageerträge werden dabei im Wesentlichen durch zwei Faktoren bestimmt: das eingegangene Gesamtrisiko und die Asset Allocation. Beide Aspekte sind eng miteinander verknüpft und richten sich nach der individuellen Risikofähigkeit der jeweiligen Vorsorgeeinrichtung. Diese lässt sich allerdings nicht standardisiert messen und ist von zahlreichen strukturellen Faktoren abhängig. 

Unabhängige Analysen zeigen, dass Schweizer Pensionskassen ihr Risikomanagement insgesamt gut im Griff haben. Dennoch bestehen bei der praktischen Umsetzung der Asset Allocation teilweise Ineffizienzen. Selbst bei unverändertem Risiko wären mit effizienteren Portfolios oftmals höhere Renditen möglich, bei vollständiger Ausschöpfung der Risikofähigkeit teilweise sogar merklich höhere. Vor diesem Hintergrund sind auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Kassen einzuordnen.

Tops und Flops 2025

NoventusCollect K führte die Rangliste 2025 mit einer Rendite von 8,4 % an, gefolgt von Spida mit 7,6 % und Transparenta mit 7,4 %. Ebenfalls nahe an der Spitze lagen PKG und Avanea Pool 30. Am unteren Ende der Rangliste befand sich erneut Tellco pkPRO mit 3,8 %. Neben Tellco lag einzig Nest mit 4,7 % unter der Marke von 5 %. Alle übrigen Kassen erzielten Renditen von über 5 %. 

Beim Spitzenreiter NoventusCollect K dürfte insbesondere die strategische Währungsabsicherung bei ausländischen Aktien zum überdurchschnittlichen Ergebnis beigetragen haben. 

Beim unterdurchschnittlichen Resultat von Tellco pkPRO fällt die hohe Liquiditätsquote von 12,3 % per Jahresende auf. Offen bleibt, ob diese hohe Liquidität Ausdruck eines bewussten taktischen Entscheids war oder lediglich temporär – beispielsweise aufgrund von Umschichtungen – erhöht ausfiel.

Kapitalgarantie hat ihren Preis

Vollversicherungen bieten im Gegensatz zu teilautonomen Lösungen eine umfassende Kapitalgarantie. Die Versicherten tragen kein Anlagerisiko, da die Versicherer jederzeit die vollständige Deckung der Altersguthaben inklusive gesetzlicher Mindestverzinsung gewährleisten – unabhängig von der Entwicklung an den Finanzmärkten.

Um dieses Sicherheitsversprechen erfüllen zu können, verfolgen Vollversicherer sehr konservative Anlagestrategien. Dies führt langfristig in der Regel zu tieferen Renditen als bei teilautonomen Lösungen. Die Performance wird dabei zu Marktwerten ausgewiesen. Pax erzielte 2025 mit 2,1 % knapp vor Swiss Life mit 2,0 % das beste Resultat in dieser Kategorie.

Versicherer weisen daneben teilweise auch Buchwert-Renditen aus, da sie Obligationen bis zur Endfälligkeit zu 100 % bewerten dürfen. Teilautonome Pensionskassen hingegen müssen ihre Portfolios laufend zu Marktwerten bewerten und entsprechend Wertschwankungsreserven aufbauen, um Marktrisiken abfedern zu können.

Langfristvergleich: Teilautonome Kassen vorn

Im langfristigen Vergleich zeigen sich die Stärken teilautonomer Kassen besonders klar. Über zehn Jahre erzielte Profond mit durchschnittlich 4,9 % pro Jahr die höchste Rendite, gefolgt von Spida mit 4,7 % sowie NoventusCollect K und Avanea Pool 30 mit jeweils 4,6 %. Am unteren Ende der Rangliste lag Tellco pkPRO mit durchschnittlich 2,8 % pro Jahr.

Auch auf Fünfjahressicht belegte Profond mit 4,6 % den Spitzenplatz, gefolgt von NoventusCollect K und Ascaro mit jeweils 4,2 %. Erneut bildete Tellco pkPRO mit 2,4 % das Schlusslicht.

Die Unterschiede verdeutlichen die zentrale Bedeutung des Kapitalertrags für die nachhaltige Entwicklung der beruflichen Vorsorge. Die langfristig robusten Ergebnisse vieler Pensionskassen spiegeln sich auch in der heutigen Stabilität des Systems wider.

Ein System im Gleichgewicht

Das BVG-System ist darauf ausgelegt, durch die Glättung zentraler Vorsorgeparameter Stabilität zu gewährleisten. Technische Zinssätze, Umwandlungssätze, Zinsgutschriften und Risikobeiträge werden langfristig festgelegt, damit kurzfristige Marktschwankungen nicht unmittelbar auf die Leistungen durchschlagen. 

In den vergangenen zwei Jahrzehnten gerieten viele Pensionskassen unter Druck, weil die Kapitalmarktzinsen deutlich sanken, während die technischen Zinssätze nur schrittweise angepasst wurden. Erst in den letzten fünf bis zehn Jahren reduzierten zahlreiche Kassen ihre technischen Zinssätze auf Werte zwischen 1 % und 2 % und passten diese damit an das langjährige Tiefzinsumfeld an. 

Mit dem Zinsanstieg seit 2021 verringerte sich der Anpassungsdruck merklich. Die Renditen zehnjähriger Schweizer Staatsanleihen bewegten sich von negativen Werten wieder in einen Bereich zwischen 0,5 % und 1,5 %. Dadurch erwiesen sich technische Zinssätze von 1,5 % bis 2 % wieder als weitgehend marktgerecht. Die Stabilität der technischen Parameter zahlte sich aus und förderte planbare Leistungen. 

Dank der starken Anlageergebnisse der vergangenen Jahre präsentiert sich die finanzielle Ausgangslage vieler Pensionskassen heute solide. Ob diese Stärke auch plötzlichen Schocks standhält, wird sich erst in künftigen Krisenphasen zeigen. Klar ist jedoch: Die Widerstandsfähigkeit vieler Kassen ist heute höher als noch vor zwanzig Jahren.

Gewappnet für volatile Anlagemärkte

Die Vorsorgeeinrichtungen der 2. Säule starteten mit dem zweithöchsten Deckungsgrad der letzten zwei Jahrzehnte in das Anlagejahr 2026. Der zunächst positive Jahresauftakt wurde jedoch Ende Februar durch den Ausbruch des Iran-Krieges und die Sperrung der Strasse von Hormus getrübt. Die volatile Nachrichtenlage rund um den Konflikt und mögliche Friedensverhandlungen führte in der Folge zu hohen Schwankungen bei Ölpreisen, Aktienmärkten und Inflationserwartungen. Höhere Energiepreise und steigende Inflation dürften in verschiedenen Ländern zusätzlich auf Wirtschaft und Staatshaushalte drücken. 

Neben den geopolitischen Risiken sehen sich Schweizer Pensionskassen weiterhin mit hohen Absicherungskosten bei Fremdwährungsanlagen, einem Anlagenotstand bei Schweizer Wohnimmobilien sowie einer zunehmenden Titelkonzentration in globalen Aktienindizes konfrontiert. 

Die Pensionskassen bleiben damit im Anlagebereich weiterhin gefordert. Dank gestärkter Reserven und Anlagestrategien, die auch auf Krisenszenarien ausgerichtet sind, erscheinen viele Vorsorgeeinrichtungen jedoch insgesamt gut auf volatile Märkte vorbereitet.