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2026 | Kadervorsorgelösungen

Geschrieben von Marcel Fenner | Jun 12, 2026 3:23:40 PM

1e-Kadervorsorge: Mehr Freiheit in der beruflichen Vorsorge

Die 1e-Kadervorsorge bietet Gutverdienenden in der Schweiz die Möglichkeit, ihre Anlagestrategie selbst zu bestimmen. Doch mit höheren Renditechancen steigt auch die Eigenverantwortung. Was steckt hinter dem Vorsorgemodell und wie profitieren Unternehmen und Versicherte?

Die berufliche Vorsorge in der Schweiz steht seit Jahren unter Druck. Steigende Lebenserwartung und die Umverteilung zwischen aktiven Versicherten und Rentenbezügern sorgen dafür, dass viele Pensionskassen ihre Leistungen laufend anpassen müssen. Besonders für Personen mit höherem Einkommen stellt sich deshalb die Frage, wie sie ihr Vorsorgekapital effizienter und flexibler gestalten können. Genau hier kommt die sogenannte 1e-Kadervorsorge ins Spiel.

Die 1e-Lösung ist ein spezielles Vorsorgemodell innerhalb der zweiten Säule und richtet sich an Kadermitarbeitende sowie Personen mit hohen Einkommen. Dies betrifft Einkommensteile über CHF 136'080 pro Jahr. Sie ermöglicht eine individuellere Gestaltung der Vorsorge und bietet deutlich mehr Einfluss auf die Anlagestrategie als klassische Pensionskassenmodelle.

Was bedeutet «1e»

Der Begriff „1e“ stammt aus der Verordnung über die berufliche Vorsorge (BVV 2), genauer aus dem Artikel 1e. Nur Vorsorgeeinrichtungen, die ausschliesslich Lohnanteile über dem anderthalbfachen oberen Grenzbetrag (CHF 136'080 per 2026) versichern, dürfen innerhalb eines Vorsorgeplans unterschiedliche Anlagestrategien anbieten. 

Während im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge gesetzliche Vorgaben bezüglich Verzinsung und Umwandlungssatz gelten, bestehen im überobligatorischen Bereich deutlich mehr Freiheiten. Die 1e-Kadervorsorge nutzt genau diesen Spielraum.

Individuelle Anlagestrategien

Der grösste Unterschied zur klassischen Pensionskasse liegt in der Anlage des Vorsorgekapitals. Bei einer herkömmlichen Lösung entscheidet die Pensionskasse kollektiv über die Anlagestrategie. Versicherte haben in der Regel keinen direkten Einfluss darauf.

Bei einer 1e-Lösung können die Versicherten hingegen selbst wählen, wie ihr Vorsorgeguthaben investiert wird. Je nach Anbieter stehen verschiedene Strategien zur Verfügung – von risikoarmen Varianten mit hohem Obligationenanteil bis hin zu wachstumsorientierten Lösungen mit hohem Aktienanteil.

Dadurch können Versicherte ihre persönliche Risikofähigkeit und ihren Anlagehorizont besser berücksichtigen.

Mehr Chancen – aber auch mehr Verantwortung

Die höhere Flexibilität bringt gleichzeitig mehr Eigenverantwortung mit sich. Während klassische Pensionskassen das Anlagerisiko kollektiv tragen, liegt dieses bei der 1e-Kadervorsorge vollständig bei der versicherten Person.

Entwickeln sich die Finanzmärkte positiv, kann dies zu deutlich höheren Erträgen für die Versicherten führen, da diese die gesamte Rendite erhalten. In schwachen Börsenphasen sind jedoch auch Verluste möglich. Das Vorsorgekapital schwankt somit stärker als in traditionellen Pensionskassenmodellen.

Gerade deshalb ist es wichtig, die gewählte Strategie regelmässig zu überprüfen und an die persönliche Lebenssituation anzupassen. 

Grosse Differenzen bei den Risiko- und Verwaltungskosten

Das Beratungsunternehmen Weibel Hess & Partner AG hat auch in diesem Jahr wieder eine verdeckte Ausschreibung vorgenommen und die unterschiedlichen Angebote verglichen. Die Anbieter wurden für eine Offerte mit 20 Kadermitarbeitenden angefragt. 

Die Unterschiede bei den variablen Kosten (Risiko- und Verwaltungskosten) sind gross. Wie in den Vorjahren offeriert die Liberty 1e Flex Investstiftung mit CHF 15'420 die tiefsten variablen Kosten. Hinzu kommt eine einmalige Einrichtungsgebühr in der Höhe von CHF 100 pro Person, max. CHF 5'000. Der zweite Rang belegt die finpension 1e Sammelstiftung mit CHF 16'340 (+ 6%). 

Die höchsten Risiko- und Verwaltungskosten weist eine Sammelstiftung mit CHF 23'439 aus, was einem Preisunterschied zur Liberty 1e Flex Investstiftung von CHF 8'019 entspricht (+ 52%). Die Durchschnittskosten aller Anbieter liegen bei CHF 18'360.

Wer die richtige 1e-Lösung für sich sucht, sollte nicht nur die Risiko- und Verwaltungskosten berücksichtigen. Bei einigen Anbietern kommen weitere Gebühren für die Stiftungsführung oder für weitere Dienstleistungen dazu. Beim Gewinner Liberty 1e Flex Investstiftung fallen für die Kontolösung keine Stiftungsgebühren an, während bei den Wertschriftenlösungen je nach gewählter Anlagestrategie Gebühren anfallen. Für die jährlichen Stiftungsgebühren besteht eine Obergrenze pro versicherte Person.  Die zweitplatzierte finpension 1e Sammelstiftung bietet hingegen eine pauschale All-in-Fee an, welche sämtliche Kosten umfasst. Da diese Gebühr auf dem angesparten Altersguthaben erhoben werden, steigen die absoluten Kosten mit zunehmenden Vermögen und können die langfristige Nettorendite der einzelnen Destinatäre reduzieren.  Auch sollten die möglichen Anlageinstrumente – und deren Kosten – in die Beurteilung einfliessen.

Steuerliche Attraktivität

Wie bei anderen Vorsorgelösungen profitieren Versicherte auch bei der 1e-Kadervorsorge von steuerlichen Vorteilen. Beiträge können in der Regel vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Zudem bleibt das angesparte Kapital während der Laufzeit steuerfrei investiert.

Auch freiwillige Einkäufe in die Vorsorge können attraktiv sein. Diese ermöglichen zusätzliche Steueroptimierungen und helfen gleichzeitig, Vorsorgelücken zu schliessen.
Beim Kapitalbezug im Pensionsalter erfolgt die Besteuerung separat vom übrigen Einkommen zu einem reduzierten Satz. Dadurch bleibt die berufliche Vorsorge weiterhin eines der effizientesten Instrumente der langfristigen Vermögensbildung in der Schweiz.

Übertragung von Vorsorgeguthaben ab 01.01.2026

Die Oberaufsichtskommission berufliche Vorsorge (OAK BV) hat per 01.01.2026 eine Weisung erlassen, wie die Übertragung von Vorsorgeguthaben von einer Nicht-1e-Einrichtung auf eine 1e-Vorsorgeeinrichtung erfolgen kann. Neu dürfen nur noch Vorsorgeguthaben übertragen werden, wenn sichergestellt ist, dass die Altersguthaben ausschliesslich aus Lohnanteilen über dem Lohnbereich des anderthalbfachen oberen Grenzbetrag (aktuell bei CHF 136'080) stammen. Verantwortlich für die Einhaltung ist die Nicht-1e-Einrichtung, welche die Übertragung vornimmt. Dies erschwert zukünftige Übertragungen von Vorsorgegeldern in eine 1e-Kadervorsorge. 

Fazit

Die 1e-Kadervorsorge ist ein modernes Vorsorgemodell, das mehr Individualität und Flexibilität in die zweite Säule bringt. Versicherte erhalten die Möglichkeit, ihre Anlagestrategie selbst zu bestimmen und damit ihre Vorsorge stärker auf die persönliche Situation auszurichten.

Die Nachfrage nach 1e-Lösungen ist weiterhin hoch. Unternehmen setzen vermehrt auf moderne Kadervorsorgelösungen, um qualifizierte Fach- und Führungskräfte zu gewinnen und langfristig zu binden. Die Kombination aus steuerlicher Attraktivität, individueller Vermögensstrategie und höherer Eigenverantwortung macht 1e-Lösungen für viele Unternehmen und Versicherte weiterhin besonders interessant.

Grafik: SonntagsZeitung
Quelle: pensionskassenvergleich.ch