Anlagerenditen

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Superjahr für Pensionskassen

Die Pensionskassen haben im vergangenen Jahr Traumrenditen erzielt. Trotzdem bleibt die Verzinsung der Altersguthaben mager und viele Vorsorgeeinrichtungen senken sogar die Renten. Dieses Vorgehen stösst bei den Versicherten auf wenig Verständnis.

Der mit Abstand wichtigste Performance-Treiber waren 2017 die Aktienmärkte. Sie kannten nur eine Richtung: aufwärts. Während sich auch Immobilien wie in den Vorjahren positiv entwickelten, liess sich mit Schweizer Franken Obligationen kaum Geld verdienen. Bei Obligationen in Fremdwährungen hing die Rendite davon ab, in welchen Währungen man investiert war und ob man das Währungsrisiko systematisch absichert. Pensionskassen mit einer hohen Aktien- und Immobilienquote gehörten 2017 zu den Gewinnern.

Die geprüften teilautonomen Kassen erzielten 2017 eine Performance von durchschnittlich 7.6 Prozent. Damit übertrafen sie sowohl den Pictet BVG-25plus - Index von 5.2 Prozent als auch ihre durchschnittliche Sollrendite von 2.3 Prozent deutlich. Wie viel davon als Zins auf den Konten der Versicherten landet, machen die Vertreter von Beschäftigten und Arbeitgebern im Stiftungsrat aus. Der vom Bundesrat festgelegte BVG-Mindestzins für 2017 steht auf 1 Prozent. Er darf nur unterschritten werden, wenn eine Pensionskasse zu knapp finanziert ist. 2017 wurden die Altersguthaben der befragten Kassen im Schnitt mit 2.4 Prozent und über die letzten 10 Jahre mit 2.2 Prozent (Mindestzins 1.75 Prozent) verzinst. Die Beschäftigten haben alles Interesse an einer höheren Zinsgutschrift. Besonders für jüngere Menschen ist der Vorsorgezins bedeutsam, weil er das individuelle Vorsorgeguthaben auf Jahre hinaus vergrössert – bedeutsamer jedenfalls als der aktuelle Rentenumwandlungssatz der Kasse. Dieser wird mit einiger Wahrscheinlichkeit bis zur Pensionierung jüngerer Menschen wegen zunehmender Lebenserwartung nach unten angepasst. Aufsichtsrechtliche Vorgaben begrenzen die Höhe des Jahreszinses, weil die Reservepolster vieler Kassen nicht vollständig gefüllt sind. Der Zinsentscheid ist eine Abwägung zwischen Verteilung auf die Versichertenkonti und Stärkung von Reserven und Deckungsgrad. Im vergangenen Jahrzehnt musste nach der Finanzkrise die finanzielle Stabilität zurückerobert werden.

Der andere Knackpunkt des Systems liegt darin, dass die verschiedenen Altersgruppen von den Anlagerisiken unterschiedlich betroffen sind. Wer eine Rente bezieht, hat diese auf sicher und partizipiert an keinen Risiken. Aktive Versicherte müssen hingegen in schlechten Börsenjahren Nullzinsrunden in Kauf nehmen, allenfalls Sanierungsbeiträge bei Unterdeckung leisten oder sind von der Einführung neuer versicherungstechnischer Grundlagen negativ betroffen.

Wie die Umfrage zeigt, bewegten sich die Anlagerenditen der meisten teilautonomen Kassen im Bereich von 6 bis 8 Prozent. Drei Ausreisser stechen besonders ins Auge: Avanea mit 14.97 Prozent, Profond mit 11.32% und Spida mit 9.30 Prozent. Avanea hat die Mitbewerber mit dem Doppelten der Durchschnittsrendite förmlich überflügelt. Da mag es erstaunen, warum die Zweitplatzierte Profond mit ihrer traditionell sehr hohen Aktienquote nachhinkt. Wie kam die Top-Performance von Avanea zustande? Auf Anfrage war die genaue Aufschlüsselung der Performance nicht erhältlich. Unterstellt man für die Aktien eine Marktrendite von 20%, resultiert ein Renditebeitrag von ca. 8%. Über die Herkunft der restlichen 7 Prozent Performance lässt sich deshalb nur spekulieren. Gemäss Avanea ist das überdurchschnittliche Anlageergebnis hauptsächlich auf die Aktien zurückzuführen. Zum Erfolg beigetragen haben zudem auch die sehr aktive, auf Einzeltiteln basierende Strategie sowie das taktische Ausnutzen kurzfristiger Marktschwankungen.

Am Ende der Performance-Rangliste tummeln sich Alvoso, GEMINI und Copré, obwohl sie mit einer Rendite von gut 5 Prozent den Pictet BVG 25plus – Index egalisierten. Der reine Performancevergleich hinkt allerdings, da die Renditezahlen nicht risikoadjustiert sind. Neben der Aktienquote sind die erzielten Anlagerenditen hauptsächlich von der Immobilienquote, der Gewichtung der Alternativen Anlagen, dem Engagement in Fremdwährungen sowie dem durchschnittlichen Verfall (Modified Duration) des Obligationenbestandes abhängig. Hier zeigen sich sehr grosse Unterschiede zwischen den Kassen. Im Gegensatz zum Aktienanteil, der zwischen 19 Prozent (PK pro) und 52 Prozent (Profond) schwankt, kommt die unterschiedliche Positionierung auch bei den Alternativen Anlagen zum Ausdruck. Die alternativen Anlagen haben bei den Pensionskassen weiterhin einen schweren Stand, konnten sich aber im Berichtsjahr immerhin von durchschnittlich 7.3 Prozent auf 8.9 Prozent verbessern.

Im Gegensatz zu den teilautonomen Pensionskassen bieten die Vollversicherungen einen Kapitalschutz, welcher eine konservative, risikoarme Anlagepolitik verlangt. Entsprechend wird fast gänzlich auf Aktienanlagen verzichtet, was die tiefen Renditen erklärt. Nach dem Rückzug aus dem Vollversicherungsgeschäft ist Axa nicht mehr Bestandteil des Vergleichs. Allianz Suisse erzielte 2017 mit 2.37 Prozent das beste Resultat.

Im Langfristvergleich liegen die teilautonomen Kassen klar vor den Vollversicherungen. Spitzenreiter im Zehnjahresvergleich ist Nest mit einer Rendite von 4.08 Prozent, dicht gefolgt von Spida mit 3.97 Prozent und NoventusCollect mit 3.91 Prozent. Ein Vergleich mit dem Pictet BVG-25 Index zeigt, dass sich die aktive Verwaltung – zumindest was die Anlagerendite betrifft – langfristig nicht oder kaum gelohnt hat.

Die Vergleichbarkeit mit einem Referenzindex ist jedoch differenziert zu betrachten. So beinhaltet ein Referenzindex keinerlei Kosten und investiert Monat für Monat ohne Rücksicht auf die aktuellen Gegebenheiten in die vorgegebenen Anlageklassen. Indexgläubigkeit ist gefährlich, wenn dabei gesunder Menschenverstand zu kurz kommt. Ein Referenzindex ist eine Orientierungshilfe bei langem Anlagehorizont, nicht mehr und nicht weniger.

Nest investiert seit Jahren nachhaltig und widerlegt damit das Vorurteil vieler Investoren, dass Nachhaltigkeit auf Kosten der Rendite geht. Als beste Vollversicherung erzielte Swiss Life 2.94 Prozent. Im Gegensatz zu den teilautonomen Kassen weisen die Vollversicherer die Renditen nicht zu Marktwerten, sondern zu Buchwerten aus. Diese Praxis erlaubt, die Jahresergebnisse zu glätten. Die teilautonomen Kassen sind hingegen voll den Marktschwankungen ausgesetzt.

Zur Beurteilung der laufenden Finanzierung und der daraus abgeleiteten Sicherheit wird in der Praxis häufig die sogenannte Sollrendite verwendet. Diese entspricht dabei je nach Definition derjenigen Rendite, welche erreicht werden muss, um den Deckungsgrad zu stabilisieren, eine bestehende Unter- oder Überdeckung konstant zu halten oder eine Unterdeckung zu beheben. Im Allgemeinen wird die finanzielle Sicherheit umso geringer eingeschätzt, je höher die Sollrendite im Vergleich zum vorherrschenden Zinsniveau bzw. zur erwarteten Anlagerendite ist.

Bei den Sollrenditen fällt die grosse Spanne der angegebenen Werte auf. Sie reicht von unter 1% (Groupe Mutuel) bis auf knapp 4% (Avanea und Profond). Der Trend sinkender Sollrenditen setzte sich auch 2017 fort. Mit der grössten Anpassung nach unten sticht Nest ins Auge. Nicht ganz ins Bild passt Transparenta und PKG, welche für 2017 höhere Sollrenditen ausweisen. Im Durchschnitt liegt die Sollrendite der untersuchten Kassen bei 2.3 Prozent, also immer noch deutlich über der risikolosen Rendite der 10-jährigen Schweizer Eidgenossen (Stand -0.095 Prozent per 31.12.2017). Berücksichtigt man zusätzlich die durchschnittlichen Vermögensverwaltungskosten von 0.5 Prozent, wird deutlich, dass brutto sogar eine Sollrendite von rund 3 Prozent notwendig ist. Eine grosse Herausforderung, erst recht solange das Tiefzinsumfeld anhält.

Von der Entwicklung der Deckungsgrade über die letzten Jahre lässt sich ableiten, dass die Kassen aktuell eine Rendite von rund 4 Prozent benötigen, um ihren Deckungsgrad zu halten. Dies entspricht auch in etwa der Sollrendite für einen Umwandlungssatz von 6 Prozent. Ob dieses Ziel in den kommenden Jahren erreicht werden kann, ist umstritten. Die Tendenz sinkender Umwandlungssätze teils weit unter 6 Prozent macht deutlich, dass die Kassen offenbar daran zweifeln und mit einer vorsichtigen Festlegung der technischen Parameter auf der sicheren Seite bleiben möchten. Das wiederum führt zur Kritik, dass die Experten und in ihrem Gefolge die Vorsorgeeinrichtungen zu sehr auf Sicherheit setzten. Dies zulasten der Destinatäre, deren Leistungen sich dadurch teilweise reduzierten. Unbestritten ist jedoch, dass die Leistungsgarantie bei weiterhin steigender Lebenserwartung und anhaltendem Tiefzinsumfeld nur mit einer vorsichtigen Strategie erfüllt werden kann. Von der fixen Rente abweichende Modelle, welche künftige und markante Änderungen der Marktverhältnisse auffangen könnten, stossen weiterhin auf Widerstand.


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