Anlagerenditen

Tabelle Anlagerenditen 2007-2016 als PDF-File


Solide Renditen trotz sehr schwierigem Börsenjahr
Die geprüften teilautonomen Kassen erzielten 2016 in einem sehr schwierigen Marktumfeld eine Performance von durchschnittlich 3.8 Prozent und übertrafen sowohl den BVG-Mindestzinssatz von 1.25 Prozent als auch ihre Sollrenditen deutlich. Das Tiefzinsumfeld macht weiterhin zu schaffen und Banken geben die Negativzinsen vermehrt an die Pensionskassen weiter.

Das vergangene Börsenjahr war vor allem durch den turbulenten Jahresanfang, den Brexit-Entscheid und die Trump-Wahl geprägt. Die Anlagekategorien rentierten recht unterschiedlich. Während die Aktien Welt sowie Immobilien Schweiz hohe positive Renditen erreichten, verzeichneten Aktien Schweiz negative Renditen. Sowohl die Obligationen in Schweizer Franken wie auch in Fremdwährungen erzielten leicht positive Renditen. Insgesamt fielen die Anlageresultate im Vergleich zum Vorjahr erfreulicher aus. Kassen mit einer höheren Allokation in Aktien Welt sowie Immobilien Schweiz erzielten bessere Anlageergebnisse. Vergleiche der Renditen allein sind jedoch zu wenig aussagekräftig für eine Beurteilung. Bei der Wahl der Anlagestrategie und den Gewichtungen der einzelnen Anlagekategorien spielen neben dem zu erwartenden Ertrag auch das Risiko, die Handelbarkeit sowie andere Kriterien eine zentrale Rolle. Eine optimale Ausrichtung der Anlagen auf die Verpflichtungen erfordert aufgrund der hohen Bedeutung des Strategieentscheids einen systematischen Strategieprozess und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Risikofähigkeit sowie den Anlageeigenschaften der einzelnen Anlagekategorien.

Gute Anlageergebnisse
Wie die Umfrage zeigt, bewegten sich die erzielten Anlagerenditen der meisten teilautonomen Kassen im Bereich von 3 bis 5 Prozent. Zwei Ausreisser stechen besonders ins Auge: Previs mit 7.45 Prozent und ASGA mit 1.51 Prozent. Die hohe Rendite von Previs muss relativiert werden, führte doch eine Neubewertung des gesamten Immobilienportfolios zu einer Aufwertung und einem substanziellen, aber einmaligen Beitrag an die Gesamtperformance. Ohne die Performance der direkten Immobilienanlagen resultierte eine Rendite von 4.64 Prozent, womit Previs aber immer noch zur Gruppe der letztjährigen Top-Performer gehört. Bei ASGA ist das enttäuschende Resultat vor allem auf die schlechte Titelselektion bei ausländischen Aktien, einer leichten Minusperformance bei den Hedge Funds und relativ hohen Kosten für Währungsabsicherungen zurückzuführen. Mit grossem Abstand hinter dem Spitzenreiter folgen Spida mit 5.00 Prozent, Swiss Life Business Invest mit 4.94 Prozent und Swisscanto mit 4.80 Prozent. Das gute Resultat von Swisscanto ist umso erfreulicher, da diese im Vorjahr mit minus 2.48 Prozent noch enttäuschte und das Schlusslicht bildete. Alle vorgenannten Kassen weisen zum Jahresende Aktienquoten von um die 30 Prozent aus. Profond mit der traditionell höchsten Aktienquote erreichte 2016 „nur“ eine durchschnittliche Rendite von 3.66 Prozent, konnte also die höheren Risiken für einmal nicht in bessere Anlageergebnisse ummünzen. Über die letzten fünf Jahre hat sich aber die hohe Aktienquote gelohnt und Profond erreichte die mit Abstand beste Anlagerendite.

Neben der Aktienquote sind die erzielten Anlagerenditen hauptsächlich von der Immobilienquote, der Gewichtung der Alternativen Anlagen sowie dem durchschnittlichen Verfall (Modified Duration) des Obligationenbestandes abhängig. Hier zeigen sich sehr grosse Unterschiede zwischen den Kassen. Im Gegensatz zum Aktienanteil, der zwischen 12 Prozent (GEMINI Pool 20) und 51 Prozent (Profond) schwankt, kommt die unterschiedliche Positionierung auch bei den Alternativen Anlagen zum Ausdruck. Angesichts des herrschenden Anlagenotstands über die letzten Jahre überrascht, dass nach wie vor nur wenige Kassen das Potenzial dieser Anlageklasse voll nutzen. Ausnahmen bilden hier PK pro mit 24 Prozent und Vita mit 20 Prozent. Fünf Kassen verzichten ganz auf Alternative Anlagen und Groupe Mutuel hat ihr Engagement im letzten Jahr sogar liquidiert. Die Duration bewegt sich bei allen Kassen im Bereich von 2.8 (Profond) bis 7.3 (Copré und GEMINI Pool 20).

Im Gegensatz zu den teilautonomen Pensionskassen bieten die Vollversicherungen einen Kapitalschutz, was eine konservative, risikoarme Anlagepolitik zur Folge hat. Entsprechend verzichten sie fast vollständig auf Aktienanlagen. AXA erzielte mit 3.10 Prozent ein Spitzenresultat.

Nachhaltigkeit bei den Kapitalanlagen hat sich ausgezahlt
Im Langfristvergleich liegen die teilautonomen Kassen klar vor den Vollversicherungen. Spitzenreiter im Zehnjahresvergleich ist Nest mit einer Rendite von 3.60 Prozent, dicht gefolgt von Copré mit 3.52 Prozent und Spida mit 3.45 Prozent. Nest investiert seit Jahren nach ethisch-ökologischen Kriterien und beweist damit, dass die Fokussierung auf Nachhaltigkeit bei den Kapitalanlagen zu langfristig überdurchschnittlichen Ergebnissen führen kann. Die Renditen der besten Vollversicherungen lagen um 3 Prozent. Da jedoch die Vollversicherungen im Gegensatz zu den teilautonomen Kassen die Renditen nicht zu Marktwerten, sondern zu Buchwerten ausweisen, ist ein Vergleich nur eingeschränkt möglich. Während diese Praxis den Vollversicherungen ermöglicht, ihre Jahresergebnisse zu glätten, sind die Renditen der teilautonomen Kassen voll den Marktschwankungen ausgesetzt und deshalb volatiler.

Hoch gewichtete Obligationen mit negativer Renditeerwartung
Mit inländischen Obligationen guter Bonität ist schon seit Jahren keine positive Rendite mehr möglich. Selbst Unternehmen begeben Nullzinsanleihen. Die aktuell tiefen und über weite Strecken negativen Zinsen haben nicht nur Auswirkungen auf die erwarteten Renditen von Liquidität und Obligationen, sondern auch auf Aktien und Immobilien. Deren Bewertungen sind durch die tiefen Zinsen nämlich mittlerweile auch aufgebläht, was das Renditepotenzial für die nächsten Jahre deutlich reduziert. Kommt hinzu, dass Immobilien bei Schweizer Kassen traditionell hoch gewichtet sind. Prognostiziert sind auf 5-Jahressicht im Durchschnitt noch jährliche Renditen von 5 Prozent für Schweizer Aktien, 2 Prozent für inländische Immobilien und -1 Prozent für Frankenobligationen.

Alternative Anlagen unterdurchschnittlich
Wenn man die Ausreisser nach oben weglässt, liegt die Quote der Alternativen Anlagen bei den befragten Kassen mit durchschnittlich 5 Prozent am Rande der statistischen Signifikanz. Selbst ein ausserordentlich gutes Abschneiden würde die Gesamtperformance kaum beeinflussen. Alternative Anlagen werden noch viel zu oft aufgrund ihrer höheren Kosten gemieden. Sie haben allerdings dank geringer bis negativer Korrelation zu traditionellen Anlagekategorien einen hohen Diversifikationseffekt. Zudem reduzieren sie das Portfoliorisiko und erschliessen zusätzliche Ertragsquellen. Gerade im aktuellen Tiefzinsumfeld ist es von grosser Bedeutung, alle relevanten Renditequellen im Portfoliokontext zu berücksichtigen, um einen optimalen Ertrag zu erzielen. Eine langfristig suboptimal ausgerichtete Anlagestrategie kann die Vorsorgeeinrichtung am Ende nämlich teurer zu stehen kommen: entgangene Renditequellen oder nicht ausgeschöpftes Diversifikationspotenzial stellen mitunter hohe Opportunitätskosten dar.

„Ein gesparter Franken ist ein verdienter Franken“
Niedrige Kosten sind gerade in Zeiten tiefer Zinsen ein wichtiger Einflussfaktor auf die Anlageperformance. „Ein gesparter Franken ist ein verdienter Franken“, diese alte Bauernweisheit lässt sich auch auf die Vermögensverwaltungskosten übertragen. Kostenführer bleiben NoventusCollect und PKG, am teuersten sind immer noch PK pro und ASGA. Die Höhe der Vermögensverwaltungskosten (TER OAK) hängt von der Anlageorganisation, dem Anlagestil, der Anlagestrategie, der Umsetzung und der Grösse der Pensionskasse ab.

Handlungs- und Änderungsbedarf
Trotz der relativ guten Position der Schweizer Pensionskassen ist ein Umdenken bei den Anlagestrategien genauso erforderlich wie im regulatorischen Regime. Sicherheit geht vor bei der Altersvorsorge, doch was seit Jahrzehnten als sicher galt, Obligationen, ist aufgrund der Liquiditätsschwemme der Notenbanken ein Verlustgeschäft geworden. Mit Negativzinsen lässt sich die Altersvorsorge in der Schweizer jedenfalls nicht zufriedenstellend sicherstellen. Da auch Aktien und Immobilien inzwischen eine historisch hohe Bewertung erfahren, nicht zuletzt als Folge der Liquiditätsschöpfung, müssen Alternative Anlagen schon aus Sicherheitsüberlegungen eine grössere Rolle spielen.


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